vom Berühren

Was berührt uns? Was ist überhaupt Berührung? Wir Menschen sind, zumindest was unsere tierischen Begleiter angeht, sehr berührungsfreudig. Die meisten von uns wollen Tiere streicheln, anfassen, umarmen, kraueln, knuddeln. Besonders Kinder sind kaum zu stoppen, wenn sie mit leuchtenden Augen begeistert über das Fell streicheln können. Andererseits haben wir vor manchen Tieren auch Respekt, zu recht, und trauen uns nur vorsichtig eine Kontaktannäherung. Ein besonderer Moment ist es, wenn ein sehr scheues Tier zu uns Vertrauen fasst und sich an uns schmiegt, sich anfassen lässt. Dies ist wohl die innigste und intimste Art der Berührung.

Aber mal ehrlich, uns berührt noch so viel mehr und wir können auf viele andere Weisen berühren. Wenn wir ein schönes Musikstück hören, eine bestimmte Frequenz etwas in uns zum Schwingen bringt (achte mal darauf, wo dies im Körper ist), dann berührt uns das. Und wenn uns eine nasse Hundenase an die Hand tippt, dann sind wir verzückt. Auch der tiefe Blick in die entspannten Augen eines Vierbeiners lässt uns sanft werden. Wenn ein großes Tier wie eine Kuh oder ein Pferd auf uns zukommt, vor uns stehen bleibt, uns neugierig beäugt und beschnuppert, dann kann diese Sanftmut unser Innerstes erschüttern. Ein Bild, ein Buch, ein Spruch, ja ein Geruch, auch das berührt uns. Man kann also feststellen, dass wir immer und ständig berührt werden, weil wir immer in Kontakt mit dem uns umgebenden Leben stehen, ob wir wollen oder nicht. Durch diesen Kontakt, in dem wir ständig sind, berühren auch wir unsere Umwelt. Es ist ein ständiger Wechsel, ein Geben und Nehmen, welches gleichzeitig und wechselhaft geschieht.

Dabei gibt es verschiedene Qualitäten des Berührtwerdens. Sprechen wir davon, dass uns etwas berührt, meinen wir dabei in der Regel etwas angenehmes. Aber eine Berührung kann auch unangenehm sein. Eine Hand auf der Schulter kann mitteilen "Setz Dich hin!" "Komm her!" "Geh weg!" "Tu dies!" "Lass das!" "Gib mir!" "Nehm mir das ab!" Und noch vieles mehr. Bist Du Dir bewusst, was Deine Hand, Dein Blick, Deine Gedanken, Dein Verhalten bei jemandem anrühren? Wir können nicht immer beeinflussen, was wir im anderen erzeugen. Aber wir können versuchen, anderen durch unsere Berührung Gutes zu tun. Nur wie? Ist es vielleicht unsere Wille, Gutes zu tun? Noch nicht einmal das! Denn eine Absicht will etwas bewirken. Und der Fokus liegt auf "will" etwas bewirken. Selbst bei einer vermeintlich guten Absicht "will" man etwas. Dieses Wollen ist aber gleichzeitig ein Nehmen, oder? Gar nicht so leicht, diese Sache mit dem Geben? Vielmehr ist es die innere Haltung, auf die es ankommt. Für ein Geschenk braucht man kein Danke oder? Man gibt es aus freien Zügen und erfreut sich am Geben, ohne eine geringste Erwartung. Es gibt vielleicht eine Absicht, einen Wunsch, dass das Geschenk wirklich ein Geschenk ist, aber in unserer Hand liegt das nicht mehr.

Ich habe mich gefragt, wann ist eine Berührung ein Geschenk? Wenn gibt sie, und zwar bedingungslos? Sie wird es, wenn sie akzeptiert was ist und da bleibt. Wenn sie sieht und fühlt und versteht und all das annimmt und dabei liebevolle Güte spüren lässt. Dann wird Berührung zu einem Geben, zu einem Geschenk, eines welches uns zutiefst berühren, gar erschüttern kann. 

Hast Du jemals so eine Berührung gespürt, ein Geschenk eines Gegenübers? Es kann eine Hand auf der deinigen sein. Selbst ein Finger, der Dich antippt, kann dies tun. Wenn Du spürst, wie Dich etwas durchfährt, für das Du keine Worte außer ein Danke hast, dann wurdest Du berührt. Es kann aber auch ein Blick oder die Atmosphäre durch die Anwesenheit eines anderen sein, dass Dir diese Gefühl vermittelt. Wenn Du weißt, was ich meine und wenn Du die damit einhergehende Dankbarkeit teilst, dann fragts Du Dich vielleicht, ob Du selbst auch fähig bist, so etwas zu geben? Ich habe mich das gefragt und habe gesucht. Allerdings habe ich erst gefunden, als ich durch Spüren gelernt habe, was es zu entdecken gibt.

Zunächst braucht es einen Raum für Stille, denn das, was in der Stille ist, das berührt uns. Die Form des Raums ermöglicht dann das Schwingen. Schau die Gitarre an. Sie bringt nur den für sie typischen Klang hervor und kann nur dadurch berühren, da sie zum einen eine bestimmte Form hat und zum anderen zum Schwingen gebracht wurde. Wie erschaffen wir in uns diesen Raum? Die Form erhalten wir durch das stille, entspannte Sitzen, zum Beispiel beim Meditieren. Später kann man dies erweitern, denn man kann auch in der Bewegung meditieren, nehme den Tanz als Beispiel, aber auch bestimmte Formen der Massage oder Körpertherapien. Atem ist dabei wichtig und ein ruhiger Geist. Gedanken können aufkommen, aber sobald Du ins Denken kommst, eine Geschichte aus Deinen Gedanken machst, ist der Zauber verflogen, denn Geist und Körper sind nicht mehr in Harmonie. Und dann das Schwingen? Das kommt von ganz alleine, denn die Stille und Dein Atem bringen Dich hierein. Wie beim Spielen von Instrumenten kann man dies dann noch verfeinern zu einer Melodie, einem Lied, aber dafür braucht es Übung, wie bei einem Musiker. Das Instrument besitzen wir alle, es ist immer da, es ist unser Körper. Der innere Musiker, das ist die Seele oder der Geist oder was auch immer Du mit dem, was Dich von innen heraus bewegt, verbindest. Was Dich von Innen heraus bewegt und zum Schwingen bringt, braucht keinen Namen, aber es will gefühlt und gelebt werden!

Und dann kannst Du probieren, wie es sich anfühlt, wenn Du die Hand auf Dein Tier legst oder noch eindrucksvoller, lasse die Hand einige Zentimeter vor oder über einer Körperstelle Deines Tieres ruhen. Sitze dann still mit ruhigem Geist. Wenn Du kannst, dann meditiere und schau, was Du dabei spürst und was Dein Tier Dir zeigt. Nur das! Das ist alles! Mehr braucht es nicht, denn das ist schon unendlich viel! Komm lass uns gemeinsam auf einen Weg begeben zu lernen, wie wir uns verschenken, für andere, für das Leben.