· 

Sinn der Stillemeditation mit dem Tier

Meditation ist eine wundervolle Sache, die an sich sehr natürlich ist, die jedes Kind beherrscht, die hohe Kunst zu erlernen aber ein lebenslanger Weg sein kann. Das soll nicht abschrecken, sondern eher ermutigen, dass es, trotz dass es nichts zu tun gibt, nicht langweilig wird. 

 

Es gibt so viele Gründe zu meditieren und verschiedene Techniken, aber kaum einer erfährt den Sinn durch das Tier. Bei der meditierisch-Meditation treten wir ein in die Stille. Hierbei wird in den klassischen Grundpositionen der Körper ruhig gehalten, in einem Gleichgewicht von Aufmerksamkeit und Gelassenheit. Der Geist kommt zur Ruhe bei gleichzeitiger Wachheit, was allerdings einiger Übung bedarf, um dies für längere Zeit aufrecht zu halten. Das ist die hauptsächliche Herausforderung in der Meditation, gelassen, entspannt und gleichzeitig wach zu sein, ohne Körper oder Geist aktiv zu bewegen. Trotz dieses scheinbaren Stillstandes ist der Geist hierbei an keinem Ort gefangen. Ein Paradoxon wie es scheint, doch wenn man es erlebt, versteht man es. 

 

Nun fragt man sich vielleicht, wozu das Ganze? Weil es wirklich Gutes in der Welt bewirken kann, dieses Nichts tun. Zunächst ist es für den Meditierenden gut. Doch mit der Zeit wird klar, dass alles miteinander in Wechselbeziehung steht. Egal ob man sich bewegt oder nicht, jeder hat in jedem Moment eine Auswirkung auf alles Umgebende. Daher stammt auch die Beschreibung, dass wir alle eins sind. Wer regelmäßig meditiert, wird diese Haltung und das Gefühl mit in den Alltag nehmen und es beeinflusst auch andere Handlungen. In der Meditation wird es auch Herausforderungen und unangenehme Momente geben. Wenn wir nur mit uns alleine sind, in der Stille, lernen wir mit solchen unangenehm bewerteten Gefühlen und Empfindungen umzugehen. Mit der Zeit werden wir im Alltag diesen Empfindungen wieder begegnen. Dies führt manchmal zu Erkenntnissen und da man bereits in der Meditation geübt hat, fällt es nun leichter, dies auch auf den Alltag anzuwenden. Manchmal sieht man aber auch erst durch die Erfahrungen in der Meditation manche Begebenheiten im neuen Licht. 

 

Wenn man in Anwesenheit eines Tieres in diese Stille eintritt, hat dies auch Auswirkungen auf das Tier. Mehrere Effekte treten ein. Wir sehen das am Tier selbst. Auf der anderen Seite beeinflusst das Tier auch uns. Hier kommt die Wirkung der Resonanz zu tragen und manchmal können wir sogar diese Wechselbeziehung der Schwingungen wahrnehmen. Letztendlich bestehen wir alle aus kleinen energetischen Molekülen, die sich bewegen und wie in einem Orchester aufeinander wirken. Ich glaube, jeder kann dies spüren. Wie feinfühlig man dabei wird und wie man damit umzugehen lernt, das ist wiederum individuell. Denn durch unsere Sinne und unterschiedlichen Formen sind wir alle ein wenig unterschiedlich und darum jeder einzigartig. Durch das in Beziehung treten mit anderen, insbesondere mit Tieren, nehmen wir das Andersartige sowie das Gleichartige wahr. Dies ist so zart und doch so groß, dass wir mit der Zeit demütiger und mitfühlender werden, mit uns und anderen. Wir sehen uns im anderen, auch wenn es anders erscheint.

 

Durch Tiere lernen wir über das Leben. Manchmal ist die Erkenntnis simpel, manchmal überschreitet es unser Fassbares. Nehmen wir die Katze, die wie ein wahrer Zen-Meister sitzt und schaut. Sie verkörpert alles, was es in Achtsamkeitsbüchern zu lesen gibt. Dann sehen wir aber auch, dass Tiere Auseinandersetzungen haben, dass sie leiden, ganz so wie wir, und auch, dass sie Hilfe benötigen. Beim bloßen Betrachten lernen wir eine Menge über Tiere, über uns und über das Leben. Dann gibt es die Bereiche Krankheit und Tod, die durch die Betrachtung verschiedener Tiere und Reflexion unserer Sichtweisen in neuem Licht erscheinen können. Nicht zuletzt lehren Tiere uns aber auch Frieden! Eine Katze, die sich in der Sonne ausruht, was trägt sie schon zum Weltfrieden bei, während Menschen sich bekriegen, ausbeuten und quälen? Nun, zumindest zettelt sie kein weiteres Leid an. Das ist doch schon mal was oder? Und wenn sie sich auf unseren Schoß legt und schnurrt, wer würde in dem Moment seinem Groll weiter anhängen oder sich tiefer ins Leid stürzen? Ein Tier zu streicheln tut den meisten Menschen gut und für einen kurzen Moment sind sie zufrieden. Wenn wir in der Meditation einer Katze gleichen würden, könnten wir im Alltag absichtslos Ähnliches bewirken? Tiere zeigen uns noch mehr. Denn wenn wir diesen Frieden, den sie uns schenken, einfordern, dann funktioniert es nicht, dann tatschen und grabschen wir, dann missbrauchen wir Tiere zu Trostpflastern und tragen ihnen Aufgaben zu, die sie nicht tragen können. Nehmen wir uns aber Tiere zum Vorbild, in den Bereichen, in denen sie uns gut tun, dann bereichern auch wir hoffentlich die Welt. Und dies zu lernen und zu kultivieren, das ist eine schöne und freudvolle Aufgabe. Darum lohnt es sich mit Tieren zu meditieren, weil wir mit der Zeit immer mehr sehen, wahrnehmen und lernen, von und mit ihnen.

 

Ich möchte in diesem Handbuch eine Einführung in die Stillemeditation mit dem Tier zeigen. Vorweg, ich bin selbst eine Lernende und beanspruche die Wahrheit nicht für mich. Darum, nehme das, was ich schreibe als Anregung, ergänze und erweitere es aber nach Deinem eigenen Gefühl und folge Deiner Intuition. Wenn ich durch das Geschriebene ein wenig inspirieren kann, dann hat das Wort seinen Sinn erfüllt. Mir macht es Freude, Dinge zu erfahren, kreativ zu erforschen und etwas zu gestalten, Neues zu entwickeln und dabei selbst zu staunen, was passiert. Dieses Handbuch hat somit kein bestimmtes Ziel, sondern ist ein kreatives Projekt, welches Mensch und Tier hoffentlich Freude bereiten wird.