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die Haltung in der Meditation

In der meditierisch-Meditation setzten wir uns in die typischen Positionen, wie es auch Mönche, Yogis oder andere Meditierende tun. Was ist der Sinn einer bestimmten Haltung? Im Prinzip kann man in jeder Körperstellung meditieren, aber die klassischen Formen helfen, in die gewünschte Geisteshaltung zu kommen. Ist der Körper ruhig, folgt der Geist. Erschlafft der Körper, wird der Rücken rund und sinkt der Kopf, dann wird der Geist schläfrig und wir dämmern ein. Sind wir hingegen zu angespannt und bemühen uns zu ehrgeizig um den korrekten Sitz, dann wird unser Geist ebenfalls an etwas festhalten. Beim meditierischen Meditieren suchen wir die Mitte zu finden und zu halten. Hierfür eignen sich die Sitzpositionen aus dem Zen (einer dem Buddhismus entstammenden Praxis). Je nach körperlichem Befinden sucht man sich die für den Augenblick geeigneteste Position aus. Allen Sitzhaltungen gemeinsam ist, dass der Körper so still wie möglich gehalten wird, wobei Atembewegungen selbstverständlich davon ausgenommen sind. Wenn der Körper ganz bewegungslos ist und die Haltung korrekt durchgeführt, dann tritt automatisch Stille ein. Der Geist wird ruhig und die Gedanken werden leiser und der Abstand zwischen den aufkommenden Gedanken wird größer. Sobald wir uns bewegen, nimmt der Körper Reize wahr, die an die Nerven gesendet werden, wodurch der Geist wieder aktiv wird. Aber wenn der Körper ganz still ist, folgt der Geist auch. Nun kann der Bereich zwischen zwei Gedanken, das reine Sein oder die Stille, wie auch immer man es nennen möchte, wahrgenommen werden. Die Körperhaltungen wurden im Laufe der Geschichte von Mönchen, Yogis und anderen Meditierenden optimal ausgearbeitet, so dass wir uns ganz auf sie einlassen können. 

 

Stuhlsitz: Die einfachste Form, die insbesondere bei gesundheitlichen Problemen geeignet ist, ist das Sitzen auf einem Stuhl. Der Oberkörper ist gerade und aufrecht. Die Beine stehen nebeneinander. Das Becken wird nach vorne gekippt, bis der Rücken vom Steißbein aus bis zum Kopf eine gerade Linie bildet. Sitze aber nicht zu steif. Die natürliche Wölbung der Wirbelsäule bleibt erhalten. Das Gesäß sinkt tief in den Stuhl. Deine Schultern sind entspannt. Das Kinn wird gefühlt leicht nach unten und zu den Ohren bewegt, um den Nacken zu strecken. Der Oberkörper befindet sich zu den Beinen im rechten Winkel. Auch Oberschenkel und Unterschenkel bilden 90-Grad. Die Füße setzten voll auf dem Boden auf. Am besten trägst Du Socken oder bist barfuß. Die Hände ruhen auf den Oberschenkeln. Die Augen sind entweder halbgeschlossen und auf etwa einen Meter vor den Füßen gerichtet oder bleiben geschlossen.

 

Fersensitz: Knie Dich auf den Boden und setze das Gesäß auf Deine Füße. Auf Dauer ist es meist angenehmer, ein Kissen zwischen Gesäß und Fersen zu klemmen. Hierauf kann man sich absetzen. Nun wird das Becken soweit nach vorne gekippt, bis der Rücken gerade ist, aber noch seine natürliche Krümmung beibehält. Die Hände ruhen beidseits auf den Oberschenkeln. Das Gesäß drückt sich in die Tiefe. Die Schultern sind entspannt, dass Kinn etwas zurückgezogen, um den Nacken zu strecken. Der Blick ruht etwa einen Meter vor den Knien auf dem Boden oder aber die Augen bleiben geschlossen. 

 

Fersensitz mit Meditationsbank: Wenn der Fersensitz zu unangenehm auf die Füße drück oder die Knie schmerzen, kann eine Meditationsbank behilflich sein. Sie wird über die Waden gestellt und Du setzt Dich einfach mit dem Gesäß drauf. Die übrige Haltung bleibt wie beschrieben. 

 

Schneidersitz: Hierfür nimmst Du Dir am Anfang ein ausreichend hohes Meditationskissen oder ein anderes Polster, welches stabil, nicht zu weich und nicht zu wackelig ist. Du verschränkst die Beine nun zum Schneidersitz. Abhängig davon, wie beweglich Du in den Hüften bist (nicht in den Knien! Die Öffnung kommt aus der Hüfte!), kommen verschiedene Formen in Frage. Die Haltung des Oberkörpers bleibt bei allen Variationen dieselbe. Das Gesäß wird wieder in den Boden gedrückt, die Hüfte soweit nach vorne gedreht, bis die Wirbelsäule aufrecht ist, aber noch die natürliche Krümmung behält. Die Schultern sind entspannt und aufrecht, das Kinn leicht zu den Ohren gezogen, dadurch der Nacken gerade. Die Arme fallen locker in einer leichten Rundung herab. Die Hände sind in den Schoß bzw. auf die Oberschenkel abgelegt. Die beiden Daumen berühren sich und die Finger der linken Hand sind auf die Finger der rechten aufgelegt (wie zu einer Schale). 

  • Burmesischer Sitz: Beide Oberschenkel sind auseinander gespreizt, die Unterschenkel zu den Oberschenkeln gezogen. Die Füße berühren den jeweiligen Ober- oder Unterschenkel des anderen Beines. Die Füße bleiben beide ebenerdig. Die Knie berühren den Boden. 
  • Halber Lotussitz: Ein Fuß wird auf den Oberschenkel des anderen Beines gelegt. Der andere Fuß bleibt ebenerdig. Die Knie sollen immer Kontakt zum Boden haben. Gelingt dies nicht oder treten Schmerzen in den Knien auf, muss die Übung abgebrochen werden oder der Sitz korrigiert. Vielleicht braucht es noch etwas Dehnung in den Hüften, Aufwärmen oder ein höheres Kissen. 
  • Lotussitz: Hierbei liegt der Fuß des rechten Beines zuerst auf dem Oberschenkel des linken Beines. Dann wird der linke Fuß auf den Oberschenkel des rechten Beines abgelegt. Die Knie drücken in den Boden. Treten Schmerzen in den Knien auf, dann ist vielleicht der halbe Lotus geeigneter oder doch eine der vorherigen Sitzpositionen. 

 

 

Warum gibt es verschiedene Sitzpositionen? Ein Grund ist, damit Personen mit ganz unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen meditieren können. Ein andere ist, dass man mit den letztgenannten Schneidersitzpositionen, insbesondere dem Lotussitz, leichter in tiefere Meditationszustände kommt. Aber dies soll nie zu Ehrgeiz führen, eher zu Geduld und Vorfreude anregen. Denn wenn man versucht, mit Willen in den Lotussitz zu kommen, obwohl Schmerzen auftreten oder die Haltung nicht korrekt ausgeführt werden kann, der wird man nicht lange beim Meditieren bleiben. Dann übe lieber irgendwann eine ganze Stunde still auf einem Stuhl zu sitzen. Die Gelenke bleiben so geschont und die Wirkung der Stillemeditation, auf die ich noch eingehen werde, kann ausgiebig erlebt werden.

 

 

 

 

 

Hinweis Haftungsausschluss: Das hier Geschrieben sind Anregungen und Inspirationen für Menschen, die alleine oder mit Tieren meditieren möchten. Bei körperlichen oder psychischen Beschwerden sollte vor dem Beginn der Meditation abgeklärt werden, ob dies sinnvoll ist oder ob vom Meditieren (vorerst) abzuraten ist. Sobald Schmerzen an Gelenken auftreten, sollte die Meditation sofort beendet werden. Beim Meditieren werden psychische Prozesse angeregt und Vergangenes oder Unverarbeitetes kann wieder hochkommen. Manchmal kommt dies auch erst verzögert zum Vorschein. Bewusst erkannt, kann dies zur Bearbeitung und Transformation genutzt werden, Wer sich hiermit überfordert fühlt, dies nicht wünscht oder unter großen Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten oder vergangenen psychischen Traumata leidet, sollte vorher dringend mit einem Arzt oder Therapeuten Rücksprache halten oder das Meditieren auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Ich übernehme keine Haftung für Schäden, die jemand der Meditation zuschreibt. Jeder übt freiwillig und in Selbstverantwortung. Dabei weise ich nach besten Wissen und Gewissen auf Hindernisse und Hürden während der Meditation hin.